Werbungskosten bei Auslandssprachkurs

FG Sachsen 16.05.12, 8 K 1691/06, NZB beim BFH unter VI B 133/12)

\r\n

Auch wenn ein in den Anden (Ecuador) durchgeführter Spanisch-Sprachkurs für Fortgeschrittene nur Spanisch-Grundkenntnisse vermittelt, diese aber für die berufliche Tätigkeit der teilnehmenden Exportsachbearbeiterin ausreichen, kann der Kurs beruflich veranlasst sein. Nach dem Urteil des Finanzgericht Sachsen sind in einem solchen Fall neben dem hälftigen Werbungskostenabzug der Reisekosten auch die Kursgebühren in voller Höhe abzugsfähig.

\r\n

Sachverhalt
\r\n Die Klägerin war bis zum 31.03.2001 bei der D.GmbH als Exportsachbearbeiterin tätig. Vom 12.03. bis 01.04.2000 nahm sie an einem Spanischsprachkurs für Anfänger in Mexiko teil. Unter dem 27. 06 .2000 bestätigte der Arbeitgeber, dass für ihre Tätigkeit Fremdsprachen (Englisch/Französisch/Koreanisch/ Spanisch/Italienisch) gefordert werden. Im Streitjahr besuchte die Klägerin vom 05.03. bis zum 21.03. einen eigentlich bis zum 23.03.2001 dauernden Spanischsprachkurs für Fortgeschrittene in Quito, Ecuador. Den Hinflug unternahm sie am 03.03. und den Rückflug am 22.03.2001. Unterricht fand jeweils Werktags von 8 Uhr bis 11.55 Uhr statt. Für Übungen/Hausaufgaben fielen einer Bestätigung des Sprachreisenanbieters zur Folge pro Tag mindestens 1,5 Zeitstunden an. Ob die Fahrtzeit vom Hotel zum Kursort und zurück jeweils nur 5 bis 30 Minuten einfach, wie in Werbeunterlagen des Sprachreisenanbieters angegeben, oder aufgrund der Verkehrsverhältnisse tatsächlich eine Stunde einfach betrug, ist zwischen den Beteiligten streitig. In den Werbeunterlagen des Sprachreisenanbieters wird neben dem Sprachkurs unter der Überschrift „Faszination in den Anden: Ecuador” mit den touristischen Vorzügen des Kursortes geworben. Für den Sprachkurs erhielt die Klägerin vom 05. bis zum 08.03. Bildungsurlaub von ihrem Arbeitgeber. Aufgrund eines Sozialplanes wurde ihr für die Zeit vom 09. bis zum 30.03.2001 vor dem Ende ihres Dienstverhältnisses eine Freistellung bei 80 % des Gehaltes gewährt. Im Freistellungsantrag vom 01.03.2001 hatte die Klägerin darauf hingewiesen, dass sie während dieser Freistellung für ihre berufliche Zukunft ihre sprachlichen Kenntnisse in Spanisch vervollständigen wolle. Ab dem 05.09.2001 war die Klägerin bei einem anderen Arbeitgeber als Exportsachbearbeiterin beschäftigt.

\r\n

Mit ihrer Einkommensteuererklärung vom 06 .07.2002 machten die Kläger neben den Kosten für den Sprachkurs Flugkosten in Höhe von 2.243,78 DM und eine Verpflegungspauschale für 21 Tage in Höhe von insgesamt 1.554 DM geltend. Mit Einkommensteuerbescheid vom 16.04.2003 erkannte das damals zuständige Finanzamt Bad Homburg die durch den Sprachkurs in Ecuador entstandenen Kosten insgesamt nicht an. Den dagegen eingelegten Einspruch der Kläger wies das im Zeitpunkt der Einspruchsentscheidung zuständige Finanzamt P. am 17.01.2006 als unbegründet zurück.

\r\n

Anmerkungen
\r\n Werbungskosten sind Aufwendungen zum Erwerb, zur Sicherung und zum Erhalt der Einnahmen (§0 Abs. 1 S. 1 EStG). Die mit einer beruflichen Fortbildung verbundenen Reisekosten sind als Werbungskosten uneingeschränkt abzugsfähig, wenn die Aufwendungen ausschließlich oder nahezu ausschließlich ( hier spricht man von mind. 90%) der beruflichen Sphäre zuzuordnen sind. Rein privat veranlasste Reisen führen demgegebenüber nicht zum Werbungskostenabzug, sonden sind Kosten der privaten Lebensführung.

\r\n

Ist eine Reise sowohl beruflich als auch privat veranlasst, kann eine Aufteilung der Reisekosten und der Werbungskostenabzug des beruflich veranlassten Teils der Reise in Betracht kommen (siehe auch BFH Urteil zur Aufgabe des Aufteilungsverbotes vom 21.09.09, GrS 1/06, BStBl II 10, 672). In dem BMF Schreiben vom 06.07.10, IV C 3 – S 2227/07/10003 ist folgendes vorgesehen:

\r\n

    \r\n

  • Bei einer untergeordneten betrieblichen/beruflichen Mitveranlassung von weniger als 10% sind die Aufwendungen in vollem Umfang nicht als Betriebsausgaben/Werbungskosten abziehbar. Zusätzliche ausschließlich berufliche/betrieblich veranlasste Aufwendungen können aber für sich genommen abziehbar sein. Bei einer Mitveranlassung von 10 bis 90% ist nach Möglichkeit eine Aufteilung der Aufwendungen nach Veranlassungbeiträgen vorzunehmen. Bei einer untergeordneten privaten Mitveranlassung von weniger als 10% sind die Aufwendungen in vollem Umfang als Betriebsausgaben/Werbungskosten abziehbar.
  • \r\n

  • Liegen aufteilungsfähige Aufwendungen vor, kommt der Mitwirkungspflicht des Steuerpflichtigen eine zentrale Bedeutung zu. Der Steuerpflichtige muss hier im Einzelnen die betriebliche oder berufliche Veranlassung nachweisen.
  • \r\n

\r\n

Demnach kann ein beruflicher Anlass zugrunde gelegt werden wenn:

\r\n

    \r\n

  • Anordnung durch den Arbeitgeber
  • \r\n

  • Bedingung für eine konkrete Einstellung oder Beförderung
  • \r\n

  • Gewährung von Bildungsurlaub durch den Arbeitgeber
  • \r\n

  • Vorliegen eines konkreten beruflichen Projektes
  • \r\n

  • Zuweisung eines nuen Aufgabenbereiches im Betrieb
  • \r\n

\r\n

Allein der Umstand, dass Fremdsprachenkenntnisse im Berufsleben allgemein wichtig sind und die Arbeitsplatzsuche erleichtern können, reicht für den Werbungskostenabzug nicht aus (FG Köln 30.05.2012, 7 K 2764/08) Es muss vielmehr ein konkreter Nutzen für die berufliche Tätigkeit oder aber ein Zusammenhang mit der beabsichtigten Erzielung späterer Einnahmen erkennbar sein.

\r\n

Schreibe einen Kommentar